Fahrräder mit Zahnriemen: Das Aus für die Fahrradkette?

Ist es nur die Begeisterung für eine neue Technik, oder bietet der Zahnriemenantrieb tatsächlich Vorteile gegenüber der guten alten Fahrradkette? Fakt ist, dass es bisher noch nicht sehr viele Hersteller gibt, die ihre Fahrräder mit dem neuen Antrieb ausstatten. Die Entwicklungen sind in diesem Punkt jedoch sehr weit vorangeschritten, so dass es in Zukunft möglich wäre, dass mehr Zahnriemen auf den Fahrrädern zu sehen sein werden.

Weshalb kommt erst jetzt der Zahnriemen?

Was bei Motorrädern schon lange funktioniert, lässt sich nicht so einfach auf das Fahrrad übertragen. Grund ist die unregelmäßige Geschwindigkeit, mit der ein Zahnriemen über die Zahnriemenscheiben läuft. Mit jedem Tritt in die Pedale wird für einen kurzen Moment die Geschwindigkeit erhöht und die auf den Zahnriemen einwirkenden Kräfte verändern sich.
Bei einem Motorrad ist der Einsatz von Zahnriemenantrieben etwas leichter, da hier immer eine konstantere Geschwindigkeitsentwicklung vorherrscht.

Zum Ausgleich der ungleichmäßigen Krafteinwirkungen setzen viele Hersteller auf Rahmenkonstruktionen die eine höhere Steifigkeit aufweisen und so für mehr Laufruhe im Zahnriemenantrieb sorgen.

Bisher können nur Fahrräder mit einem steiferen Rahmen mit dem Zahnriemenantrieb ausgestattet werden.

Wartung und Pflege von Zahnriemen

Zahnriemenantriebe sind inzwischen fast wartungsfrei. Gegenüber einem herkömlichen Kettenantrieb müssen Fahrräder mit Zahnriemen nicht so oft gewartet werden. Die Pflege einer Fahrradkette sollte dagegen, je nach Einsatz und Fahrradart, mindestens einmal jährlich erfolgen. Dies aber immer in Abhängigkeit zur Nutzung, da ein Fahrrad, das nur selten im Stadtverkehr bei bestem Sonnenschein gefahren wird eine geringere Verschmutzung durch Staub und Abrieb erfährt.
Der Zahnriemen hat dagegen kein Öl oder andere Schmierstoffe nötig, sollte aber zumindest hin und wieder von unnötigem Staub gereinigt werden, da dieser die Lebensdauer beeinflusst.

Für die längere Lebensdauer, werden aktuell verschiedene Materialien für die Produktion der Fahrradriemen eingesetzt. In erster Linie bestehen sie aus einer robusten Gewebelage die mit Gummi ummantelt ist. Je nach Hersteller kommen unterschiedliche Kunstgewebe zum Einsatz.

Für welche Fahrradtypen eignet sich der Zahnriemenatrieb?

Hauptsächlich kommt der Zahnriemenantrieb im Trekking- und alltäglichen Citybikes zum Einsatz. Die ContiTech Power Transmission Group stellte jedoch im Jahr 2013 ein Zahnriehmensytem für Fahrräder, Pedelecs und E-Bikes unter dem Namen “Conti Drive System” vor. Es düfte also nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die meisten Fahrradtypen wahlweise auch mit dem Zahnriemenantrieb erhältlich sein sind.
Aktuell sind hauptsächlich Designerräder mit einem Zahnriemen erhältlich, da dieser für eine interessante Optik sorgt und in der Anschaffung noch etwas teurer ist.

Vor- und Nachteile gegenüber der Fahrradkette

Gegenüber der herkömmlichen Fahrradkette, mit ihrem leicht rasselndem Geräusch, hört der Radfahrer beim Fahrrad mit Zahnriemen künftig nur noch die Abrollgeräusche der Reifen auf dem Asphalt. Selbst wenn das Fahrrad schon sehr lange Strecken über hunderte oder tausende von Kilometern zurückgelegt hat, dann bleibt bei diesem Antrieb der Riemen geräuschlos.
Ein weiterer Vorteil liegt im geringen Gewicht, welches dafür sorgt, dass ein Edelbike am Ende noch Weniger auf die Wage bringt. Dies mag für den normalen Fahrradpionier nicht von großer Bedeutung sein, für den High-End Biker und die Fahrradhersteller zählt letztlich jedes Gramm.
Durch den Fakt, dass der Zahnriemen keine Schmierstoffe für seinen ruhigen Lauf benötigt, kann auf den Einsatz umweltschädigender Schmiermittel verzichtet werden. Gleichzeitig kann sich jeder Hosenträger darüber freuen, dass in künftig keine schwarzen Schlieren auf den Hosenbeinen vorfindet, die nur schwerlich herauswasschbar sind.
Ein klarer Nachteil des Zahnriemens liegt in dessen Nulltolleranz gegenüber kleinsten Ungenauigkeiten im Riemenlauf. Fahrradbauern wird daher beim Einsatz der Zahnriemen eine erhöhte Präzission abverlangt, die sich in den steiferen Fahrradrahmen und exakt parallelen Führung der Tret- und Hinterachse wiederspiegeln.
Zum Erreichen der extremen Rahmensteife kommen hochwertigere Metalllegierungen und Carbonverbindungen zum Einsatz, die den Kaufpreis in die Höhe treiben.

Unser Fazit:

Wer sich Laufruhe und Wartungsfreiheit wünscht, der kann auf den Zahnriemenantrieb bauen. Der aktuell noch sehr hohe Preis stellt leider eine Hürde dar, die von den Herstellern genommen werden muss, damit der Zahnriemen auch für die breite Masse erschwinglich wird.
Für Fahrräder deren Hauptaugenmerk im Design liegt ist der Ersatz zur Fahrradkette dagegen schon jetzt ein echtes Muss.
Die gute alte Fahrradkette wird also so schnell nicht vom Markt verschwinden und auch weiterhin für verschmutzte Hosenbeine sorgen.

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